13. August 2014

Lektüren

Es gibt kurze Bücher, für die man , um sie so zu verstehen, wie sie es verdienen, ein langes Leben braucht.

Francisco de Quevedo
 
Höre nicht auf zu lesen!

Aldana läuft alleine

 

Anfang Juli hatte ich die Gelegenheit, Aldana zu besuchen, ein Kind aus dem Gemeindeprogramm, das auf den Höhen von Huarrago lebt, im Distrikt Sócota in der Provinz Cutervo.
Es war bereits mehr als ein Jahr seit meinem letzten Besuch vergangen.
Aldana und ihre Familie kenne ich seit ungefähr acht Jahren, als Aldana noch ein Baby war, das versuchte, sein Köpfchen mit furchtloser Kraft zu heben.
Bei unserem ersten Treffen sagte mir mein Inneres, dass dieses Kind den Willen und das Bemühen hatte, weiter zu gehen und wir es eines Tages werden alleine gehen sehen.
Dieses Mal, als ich das Haus der Familie erreichte, trat sie alleine heraus, nur gestützt durch zwei Stöcke. Durch meine über 30 jährige Arbeit in der Begleitung behinderter Kinder, konnte ich die Aufregung in ihren Augen sehen und ein tiefes Gefühl von Liebe und Bewunderung für dieses Kind und ihre Familie überkam mich.
Gehe weiter, kleine Aldana! Du lehrst uns, noch weiter zu gehen. Und noch mehr, in uns zu gehen.
Rita Mocker 

Heilmittel für alle

 

Das Gemeindeprogramm des Netzes der Landibliotheken arbeitet mit dem Fokus basierend auf der Rehabilitation in der Gemeinde.
Zu den Andinen-Gemeinden gehören nicht nur die Personen, sondern auch das Wasser, die Sämlinge, die Walke, die Berge, die Meerschweinchen und die Pflanzen.
Einige dieser Pflanzen sind so familiär, dass sie uns begleiten und uns in unseren schwierigsten Situationen und unsere Krankheiten und tiefste Leiden heilen.
Wenn die Lehrer – oder Heiler – des Gemeindeprogramms in Beziehung mit den medizinischen Pflanzen treten, tun sie wirkliche Wunder. Es ist so, dass sie nicht nur die Güte und Fähigkeiten jeder Pflanze kennen, sondern auch mit den Jahren gelernt haben, sie zu besänftigen und mit ihnen auf unterschiedliche Weise zu kommunizieren. Sie wissen, wie man sie in Öle und Einreibungen verwandelt, in Eingelegtes und Cremen, bis hin zu homöopathischen Rezepturen.
Mitte Juli versammeln sich unsere Heiler, um ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mit den anderen Mitgliedern des Gemeindeprogramms zu teilen. Und wir stellen wieder einmal fest: hier gibt es ein meisterhaftes Glück.
 

Juanitos und die Bäume

 

Einer der Querachsen in den Tätigkeiten des Gemeindeprogramms ist der Umweltschutz. Dafür beschlossen unsere Koordinatoren vom Land vor zwei Jahren – mit der Einwilligung und in Versammlung – ein Projekt zum Baumpflanzen zu initiieren, um ihre Gemeinden neu zu begrünen.
Während eines Besuches in San Luis de Lucma – im Distrikt von Socotá, in der Provinz Cutervo) – konnten wir Zeugen sein, wie diese einfache Initiative bereits die Kommunalpolitik mit eingebunden hatte und Gemeinschaft erzeugte.
Bei der Ankunft erwarteten uns die Juanitos und ihre Familien am Dorfeingang, jedes Kind mit einem Bäumchen in seinen Händen. Einige brachten Setzlinge für Obstbäume, außerdem Kaffeepflanzen, welche unter anderem die landwirtschaftliche Lebensgrundlage dieses Gebietes darstellen.
Vor Beginn unseres Treffen pflanzten wir alle gemeinsam diese Bäume in einen Park, in einen Kinderspielplatz und auf den Dorfplatz von San Luis de Lucma. Dies war ein wahres kommunales Ereignis, da viele Menschen näher kamen und Fragen zu unserem Tun stellten; einige Nachbarn schenkten uns Wasser und andere versprachen, uns beim Pflegen dieser Pflänzchen zu helfen.
Wir alle fühlten, wie in diesem Moment die gleichen Kinder ihre Fähigkeiten zeigten und ihr Bemühen, das Leben und die Gesundheit aller zu verbessern. Und sie taten es mit Lebensmut und Freude, begleitet voneinander und von ihrer Gemeinde.
 

Von Liebe und Zielen

 

Eine Person wächst, wenn sie sich Ziele auferlegt, ohne negative Kommentare oder Vorurteile zu beachten, wenn sie Vorbild ist, ohne dem Spott oder der Verachtung Raum zu geben, wenn sie in ihrem Charakter stark ist, sich auf Bildung stützt, sensibel im Temperament und menschlich von Geburt an ist.
Anonym

Drei mal im Jahr versammeln sich die Koordinatoren des Gemeindeprogramms – des Netzes der Landbibliotheken – in Cajamarca für die gemeinsame Fortbildung in den Bereichen der Therapie und Rehabilitation.
Immer ist es ein sehr dichter Zeitraum mit viel Information und vielen Dingen, die in kurzer Zeit gelernt werden sollen.
Da viele Teilnehmer von Beruf aus Campesinos (Bauern) sind, ist es verständich, dass sie diesen Lernraum aufs beste nutzen möchten, auch deshalb, weil sie bei ihrer Rückkehr in ihre Gemeinden bereits das Gelernte in diesen Tagen in der Arbeit mit ihren Juanitos in die Praxis bringen sollen.
In diesem Programm verlangen wir viel von unseren Koordinatoren. Wir möchten, dass sie mit jedem beliebigen Kind arbeiten können – was es auch für eine Behinderung haben mag – und wir setzen eine liebevolle und qualitative Arbeit voraus.
Dafür muss viel gelernt werden und unser Fortbildungsplan ist reichhaltig. Die Koordinatoren müssen sich von der Anatomie bis zur Grundlage des Kinderschutzes auskennen und viele Therapietechniken, die sie lernen, sind umfangreich und kompliziert.
In unserem letzten Treffen Mitte Juli lernten wir beispielsweise verschiedene Weisen, Kinder mit unterschiedlichen Schwierigkeiten einzuschätzen, Gruppendynamiken, um mit den Elterngruppen in den Gemeinden zu arbeiten und das Dokumentieren unserer Arbeit, aber auch über das Thema Sprachtherapie und das Braille-System (Blindenschrift).
Auch wenn wir bei unseren Koordinatoren darauf bestehen, dass sie lernen und mit jedem Kind wirksam arbeiten, ist uns noch wichtiger, dass sie ihre Arbeit mit Liebe tun.
Es ist schön, wenn unsere Koordinatoren erzählen, dass sie “mit dem Programm gelernt haben, ein besserer Mensch zu sein”.