20. April 2018

Die Landbibliothek der Pädagogischen Hochschule in Jaén



Am 12. April diesen Jahres stattete das 5. Semester der Pädagogischen Hochschule der Sozialwissenschaften “Victor A. Belaunde“ in Jaén mit Entschlusskraft und Begeisterung die Landbibliothek – die seit dem letzten Trimester vergangenen Jahres in Betrieb ist - mit neuen Exemplaren und Plakaten aus.
Es ist bei allen bekannt, dass unsere Bibliothek Teil des Netzes der Landbibliotheken Cajamarcas ist, welches uns ermöglichte, an seinem bibliographischen Hintergrund teilzuhaben, wie beispielsweise an den Exemplaren der Campesino-Enzyklopädie und diversen Veröffentlichungen und durch den Büchertausch – während der unlängst stattgefundenen Versammlung – hat es sich noch erweitert um literarische Werke, Wörterbücher und andere Texten.
Sinn und Zweck ist die Belebung des kritischen und bereitwilligen Lesens der Studierenden und Dozenten, um sich als Personen zu informieren und auszubilden, sowie Geschichten der ländlichen Kultur zu verbreiten mit dem Ziel der Anerkennung, der Wiedergewinnung, Würdigung und der Umsetzung des Wissens, dem Wert und der positiven Identität in die Praxis.
Die Studierenden sind oftmals eingeschrieben in Sozialwissenschaften – 1. Semester, die mit viel Lust kommen, ein Buch auswählen und sich registrieren. Ihrerseits haben die sieben Studierenden des 5. Semesters den ersten Lesekreis am 17. April initiiert, um eine Diskussion über das Buch „Dieses innerste Licht“ von Alfredo Mires Ortiz einzuleiten.
Prof. Sara Moreno Alberca



Verjüngend



Am ersten Aprilwochenende versammelten sich über 50 Teilnehmer des Netzes der Landbibliotheken, um die erste Versammlung in diesem Jahr zu feiern. Viele nehmen regelmäßig seit über 20 Jahren an diesen Treffen teil; kommen von weit her, tragen ihre Bücher und ihren Beitrag zum gemeinsamen Essen. Das Wieder-Treffen ist jedes Mal eine Freude.
In dieser Versammlung waren auch viele neue Gesichter. Der jüngste Bibliothekar, Maicol Burga, kam nach zwei Tagen der Reise und Wanderung von der Gemeinde Yunchaco in der Provinz Cutervo. Maicol nahm mit viel Eindringlichkeit und viel Überzeugung teil, vermittelte allen die Wichtigkeit des Lesens und Verstehens der Ältesten.
Auch konnten wir auf die Anwesenheit von Laura Quiliche zählen, Studentin und Verantwortliche der Offenen Bibliothek in der Pädagogischen Hochschule „Víctor Andrés Belaunde“ in Jaén. In dieser Bibliothek kann man direkt vor Ort lesen, draußen an der frischen Luft oder die Bücher mit nach Hause nehmen, aber der Kontakt mit dem Buch ist real und lebendig, nicht begrenzt auf den physischen Ort der Bibliothek. Laura ist eine junge, lebhafte Frau, die mit ihrem Einsatz und ihrem frischen und innovativen Geist überzeugt: wir sind sehr dankbar für ihre Anwesenheit bei uns.
Aus der Pädagogischen Hochschule aus Jaén war auch die Lehrerin Sara Moreno anwesend. Wir bedanken uns aufrichtig für ihre Präsenz und ihre wichtigen und präzisen Wortmeldungen.
Aus der Schule „Sagrado Corazón“ aus Jaén kamen auch unsere lieben Freunde
Cleofé Guzmán, Elizabeth Olano und Polinéstor Huamán, die eine intensive Arbeit für die Bewahrung mit dem Projekt der Campesino-Enzyklopädie entwickeln.
Aus Kolumbien kam Nathalia Quintero Castro, die als technische Sekretärin des Netzes Verantwortung übernimmt und bei dieser Versammlung bestrebt war, auf Sorgen und Bedürfnisse jedes Bibliothekars und Koordinators einzugehen.
Ebenfalls waren da Consuelo Gaitán, Direktorin der Nationalbibliothek Kolumbien und Luz Adriana Martínez, Bereichsleiter der technischen Unterstützung des Nationalen Netzes der öffentlichen Bibliotheken Kolumbiens. Ihre Eingliederung, Öffnung und Bereitschaft zu Teilen waren bedeutend für diese Versammlung. Die Anwesenheit einiger Kinder der altgedienten BibliothekarInnen und KoordinatorInnen erscheint uns als sehr wichtig, denn im Großteil der Fälle sind es die Familienangehörige, die – von klein auf – die Leser in den Bibliotheken während der Abwesenheit der Bibliothekare betreuen. Herzlich Willkommen auf dieser Versammlung Lennon, Magaly und Jorge!
Manuela Vásquez und Ricardo Delgado sind zwei Lehrer, die sich seit vergangenem Jahr in der Familie des Netzes einfügen, kommend aus Bambamarca und Chota. Ihre Anwesenheit, ihr Interesse und ihre Arbeit erneuern den Lebensmut.
Danke an alle, dass ihr uns in diesen Schritten begleitet.



Bereit zu teilen



Wenn die BibliothekarInnen und KoordinatorInnen des Netzes der Landbibliotheken zur Hauptversammlung kommen, ist alles ein Fest, eine Freude und Lachen. Diesen 6., 7., und 8. April feiern wir wieder eines dieser Treffen, gefüllt mit Freundschaft, Offenheit, Zuversicht und Solidarität: wir sind Familie.
In dem Buch „Der Geist des Labyrinths“ von Alfredo Mires, veröffentlicht 2016 durch das Netz, befindet sich diese Erzählung:
Der Pan
Gott sprach zu Pan:
- Vervielfältige dich!
Und der Pan antwortete ihm:
- Vervielfältige zuerst das Mehl.
Gott vervielfältigte das Mehl.
- Nun vervielfältige die Hefe –sprach der Pan. Gott vervielfältigte die Hefe.
- Nun vervielfältige den Menschen, der bereit ist, mit mir zu teilen – schloss der Pan.
Gott fing an zu weinen.
Hier in unseren Versammlungen muss Gott nicht weinen. Hier teilen wir, was jeder Einzelne für den gemeinsame Topf mitbringt. Aber wir teilen auch die Nachrichten jeder Bibliothek, die Erfolge und die Freude der Leser und die Sorgen und Herausforderungen der BibliothekarInnen und KoordinatorInnen. Uns eint die Achtung vor den Anderen und der Geist der Unterstützung und des Schutzes vor dem Eindringen in die Umwelt.
Einmal, während eines Abendessens der Versammlung, beobachteten wir, wie zwei unserer Koordinatoren miteinander sprachen: einer hatten eine Tasse Kaffee und der andere tauchte sein Brot in die Tasse des Anderen. Normal, so wie alles für alle ist.
Auch wenn einer überrascht sein oder über so viel Vertrautheit lachen kann, dies ist der Geist des Teilens bei unseren Treffen. Die Vertrautheit lebt und die Zuneigung wird gespürt. Und das wiegt mehr als ein „logischer Rahmen“ oder eine „Ausbildung zur Führung“.
Wir sind zufrieden, so zu sein, wie wir sind.




Bibliotheken und Schulen

Als das Netz der Landbibliotheken begann, das Wissen der Andinengemeinden zu bewahren, damals in den 80er Jahren, kritisierten uns viele, vor allem deshalb, weil wir die Sprache der eigenen Leute in unseren Texten gebrauchen.
Wie ist das möglich! Campesinos, die sich trauen, Bücher  zu produzieren? -sagten sie.
Es waren vor allem einige Lehrer, die unsere Bücher nicht in den Schulen haben wollten, weil „in diesen Texten viel Unsinn vorherrscht“; so bezogen sie sich auf die Art, wie wir auf dem Land Cajamarcas sprechen.
Mit den Jahren – und mit viel Geduld – hat sich diese Situation verändert. Nun gibt es ziemlich viele LehrerInnen und DirektorInnen von Bildungseinrichtungen, die sich für unsere Tätigkeit interessieren. Oder es sind die eigenen Schüler, wenn sie ihre Aufgaben lösen müssen.
- Es ist zwingend, die Erziehung und die Schule zu durchdringen – sagt gewöhnlich Alfredo Mires, unser leitender Vorstand.
Trotzdem gibt es noch viel Weg zu gehen.
Einige unserer Koordinatoren sind LehrerInnen. Wir haben Vereinbarungen mit Schulen auf dem Land und dort, in denselben Bildungseinrichtungen gibt es Landbibliotheken. Wir koordinieren unsere Arbeit mit Hochschulen für Pädagogik und haben sogar Anfragen für einen Leselehrplan, der wirklich mit dem Leben in den Gemeinden übereinstimmt...
Es sind große Fortschritte und als Netz sind wir glücklich mit diesen Herausforderungen. Aber wir wissen, dass der Weg beschwerlich ist und wir Wenige sind. Glücklicherweise haben wir nicht die Neigung, den Mut zu verlieren.
 

Neue Bücherverteilung

Wenn wir das Buch als Instrument des Ackerbaus begreifen, als Gevatter und Kollege unseres Weges auf dem cajamarquinischen Land, so müssen die Bücher neue Formen finden, sich auszusäen, sich zu vermehren und sich zu bewegen: von Familie zu Familie zu wandern, von Bibliothek zu Bibliothek, von Gruppe zu Gruppe, von Gemeinde zu Gemeinde...

Aus diesem Grund wird vom Zentralbüro des Netzes der Bibliotheken eine neue Verteilung von Büchern veranlasst, geführt durch spezielle Spenden, vor allem an Bildungsinstitutionen, die ihre eigenen Landbibliotheken bilden; auch an interessierte befreundete Verbände der Erziehung, des Lesens, Schreibens und der Bewahrung der eigenen Kultur; oder für die gleichen Gemeinden unserer Landbibliotheken, die ihre Lesekreise realisieren könnten (die zehn bis über 200 Personen der Gemeinden vereinen), in denen jeder Teilnehmer das Buch in seinen Händen hält, um mit und für die Anderen zu lesen.

Mit dieser neuen Bücherverteilung möchte das Netz der Bibliotheken die Verbindungen der gemeinschaftlichen Treffen stärken, in denen das Lesen, die Worte und das Gespräch die beste Art sind, diesen gemeinsamen, ländlichen, bäuerlichen, Andinen- Weg fortzuführen.

Ich lese und schreibe

Wir sind im Begriff, den Anfang einer neuen Sammlung von den Landbibliotheken zu erhalten, vor allem an die Kinder und Jugendlichen gerichtet, aber auch unterhaltsam und nützlich für die Erwachsenen. Es ist ein Notizbuch, das über das Lesen eines kurzen, inspirierenden und beeindruckenden Textes im Sinne des Netzes, die Leser dazu anregt, ihre Reflexionen, Gedanken, Erkenntnisse oder entstehenden Texte nach der Lektüre auf den leeren Seiten zu notieren.
Diese Veröffentlichung möchte zur Ausbildung weiterer Leser beitragen, das kritische Denken anregen und aufrechterhalten und den Wagemut herauskatapultieren, nach dem Lesen etwas zu schreiben, zu sagen und Texte auszuarbeiten ausgehend vom Verständnis. Und die Augen und das Herz über das geschriebene Wort gleiten zu lassen.
 

Sarah Heery ist präsent



Diesen 12. April jährte sich der Tod unserer Kollegin Sarah Heery zum 10. Mal. Ihre Schwester Helen und ihre Familie, sowie der Sarah's Rural Library Fund für unser Netz haben nicht aufgehört, uns in dieser ganzen Zeit zu begleiten, präsent war der Geist und das Vorbild von Sarah.
Der Dichter Antonio Machado sagte, dass „Während wir sind, ist der Tod nicht und wenn der Tod ist, sind wir nicht“.
Dies bedeutet, dass die Unsterblichkeit hier ist, in den Schritten, die wir tun, in den Anwesenheiten, die wir pflegen.