José Carlos Mariátegui
17. April 2015
Lesend
Die Fähigkeit, die Vergangenheit
zu verstehen ist die Verbundenheit mit der Fähigkeit, die Gegenwart zu fühlen
und sich um die Zukunft zu sorgen.
100 000
Im Mai 2008 begannen wir mit
unserem Blog. Während der ersten Jahre erschienen nur wenig Einträge jeden
Monat und es gab sogar Monate, da schrieben wir nichts. Wir schafften es neben
unseren anderen vielen Tätigkeiten nicht und meinten, dass der Blog nicht so
wichtig sei...bis die eigenen Leser uns darum baten, diesem Medium mehr
Aufmerksamkeit zu schenken.
Und nun haben wir fast 100 000
Besuche erreicht. Und wollen unsere Dankbarkeit ausdrücken. Wir wissen von unseren
bescheidenen Einträgen und der begrenzten Möglichkeit, alles zu teilen, was wir
tun, aber es ist anregend, wenn wir sehen, dass wir Besuche aus aller Welt
bekommen, von Orten, von denen wir uns nie vorgestellt hatten, dass jemand von
dort Interesse an unserem Tun hat.
Wir laden Sie immer dazu ein,
Ihre Kommentare, Bücher und Überlegungen mit uns zu teilen.
Lesend sind wir mehr beisammen.
Rückblick auf die Jahresfeier
Um den Jahrestag zu feiern, beschlossen wir, uns
zu versammeln, um zu teilen und miteinander zu sprechen.
Am 31. März diesen Jahres trafen
wir uns um 18.30 Uhr im Hauptsitz des Netzes für eine Präsentation des Filmes “Die
Wolkenbibliothek”.
In der Einführung der
Veranstaltung erinnerten wir uns daran, was uns Pier Paolo Giarolo, der
italienische Regisseur des Filmes, 2010 geschrieben hatte: “Ich bin sehr daran interessiert, die Wirklichkeit von den
Landbibliotheken kennenzulernen und würde gern einen Dokumentarfilm machen, der
den Weg der Bibliotheken beschreibt, die Bewegung eines Buches und die
Personen, die lesen. So könnte auch etwas über das heutige Peru gezeigt werden.
Ich bin davon überzeugt, dass ein Film über eure Erfahrung, eure Motivation und
euer Engagement ein Vorbild für Europa und für jede Person auf der Welt ist. Die
Worte, dich ich im Blog las, von den Campesinos und ihre Art zu leben, ihre
Einfachheit und ihr Reichtum, von den Freiwilligen und ihre Entscheidung,
vermitteln eine große innere Kraft”.
Bis heute hat der Film bereits
neun internationale Preise gewonnen. Und diese Anerkennung ist für die
KollegInnen, die sich jeden Tag abmühen, dieser Bewegung ihre Gestalt und
Position zu geben. So wie auch für alle, die ihre solidarische Zuneigung zu
diesen Wegen erklären.
Und so waren wir bis spät am
reden und lernen. Und tranken gemeinsam einen Kaffee.
16. April 2015
Von heute an…
Wir geben eine Notiz unseres
Kollegen Kepa Osoro aus Spanien wieder, welche er gestern auf der Website
Lectyo gepostet hat:
https://www.youtube.com/watch?v=gujK5WEVG8g
Von
heute an wird die Welt etwas weniger würdevoll und leuchtend sein: soeben starb
der Schriftsteller und Journalist Eduardo Galeano aus Uruguay.
Eines
dieser vielen Ecken des Planeten, wo heute
Tränen fließen werden, wird Cajamarca sein, denn Eduardo war innig
verbunden – mit dem Herzen und ganz konkret – mit dem Netz der Landbibliotheken
in Cajamarca.
Umarmungen
an alle Cajamarquiner, die sich heute verlassen und verwaist fühlen.
https://www.youtube.com/watch?v=gujK5WEVG8g
13. April 2015
Eduardo lebt
Die Nachrichten am heutigen
Morgen meldeten den Tod von Eduardo Galeano. Mich erreichten brüderlich/
schwesterliche Nachrichten mit großem Mitgefühl, da viele wissen, dass wir
Freunde sind. Aber ich glaube nicht, dass Eduardo tot ist; das muss wieder
einer seiner genialen “Abtritte” sein.
Vor wenigen Tagen nur schrieb er
mir etwas.
Er war vom Krebs gezeichnet,
verlor aber dennoch nicht den Lebensmut.
In einem seiner Briefe nach der
Operation, die 2007 durchgeführt wurde, schrieb er mir: Ich werde aus dieser (Operation) gesund und munter hervorgehen, "schlimmer" als zuvor und hoffe nur, dass mich meine
neuen Zellen nicht verraten...
Eduardo kann nicht tot sein.
Vor nun schon einigen Jahren, als
Juan Medcalf starb und ich mit Eduardo den großen Schmerz teilte, erinnerte er
mich an einen Satz von jemanden: “Der Tod
ist etwas, das denen geschieht, die zurück bleiben”.
Eduardo lebt, wie auch Ernesto,
Juan, Sarah, David, Lorena, Alberto, Luis Francisco, Heinz, Ignacia, Susana und
viele andere der Unsrigen...
Aber trotz allem sind wir ohne
Worte; trotz allem bleibt das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren
und das Lächeln fällt uns schwer; trotz allem machen wir unsere Yupa, den
rituellen Gesang für die, die aus diesem Leben getreten sind, welches weiterhin
sprudelt.
Eduardo gehört zu denen, die
nicht sterben. Aber wie schmerzt sein Fortgang, trotz dieses Wissens.
Für immer, Bruder.
Alfredo Mires Ortiz
31. März 2015
Die Landbibliotheken: 44. Jahrestag
Heute feiern wir 44 Jahre
Bibliotecas.
Es wird weder eine Torte noch
Pomp geben, kein Pergament und keine Schmeichelei.
Es wird Gebete geben, Umarmungen.
Es wird Zuversicht und Wege geben.
Es wird uns geben.
Die Unentgeltlichkeit und die
Dankbarkeit sind nicht verwandt: sie stehen jede für sich.
Wie schön ist es, uns nicht
alleine zu wissen, wissend, dass wir zusammen sind, gehend!
Patrizia mit uns
Diesen Donnerstag
kam – nach einer langen Reise von Rom bis nach Cajamarca – Patrizia
Boncompagni, italienische Freiwillige bei uns an, welche ein Praktikum bei uns
beginnt.
Wir kennen
Patrizia seit letztem Jahr und sie zeigte seitdem großes Interesse am
Engagement und der Arbeit unseres Netzes. Später musste sie für einige Zeit in
ihre Heimat zurück, doch nun hat sie sich entschieden, nach Peru zurück zu
kommen.
Der Wille ist
eine spontane Kraft, die uns bewegt, nicht nur durch Zwang oder Pflicht,
sondern durch die eigene Entscheidung.
Wir danken
Patrizia dafür, diesem Willensimpuls des Lebensmutes gefolgt zu sein, ihrem
Willen, hier zu sein und ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Leben eine
zeitlang mit uns zu teilen.
All’pata paguikun
„Die Erde lebt. Und weil sie lebt, empfindet sie;
und weil sie empfindet, zieht sie groß.
Wissend und empfindend, danken und feiern wir…
Es ist ignorant, die Erde als Sache zu sehen. Es ist unnatürlich, das Leben als Objekt zu behandeln. Sich dem Unkultivierten überlegen zu fühlen, führt dazu, das Land, das uns ernährt, zu demütigen, zu verunreinigen, auszubeuten und zu zerstören. Und, letztendlich ist es nicht nur die Vision, die uns entgegentritt.
Wir verehren die Erde und dies ist eine Ehre: sie zu verachten ist eine Schande.
Wir haben eine Zeit erreicht/ leben in einer Zeit, in welcher der Schaden schon nicht mehr rückgängig zu machen ist, der der Natur angetan wurde, aber noch haben wir Zeit, uns aus unserem Schweigen zu erheben und die Plünderung zu stoppen. Um das gemeinschaftliche Leben zu feiern, um das Morgen wieder zu erbauen“.
Wissend und empfindend, danken und feiern wir…
Es ist ignorant, die Erde als Sache zu sehen. Es ist unnatürlich, das Leben als Objekt zu behandeln. Sich dem Unkultivierten überlegen zu fühlen, führt dazu, das Land, das uns ernährt, zu demütigen, zu verunreinigen, auszubeuten und zu zerstören. Und, letztendlich ist es nicht nur die Vision, die uns entgegentritt.
Wir verehren die Erde und dies ist eine Ehre: sie zu verachten ist eine Schande.
Wir haben eine Zeit erreicht/ leben in einer Zeit, in welcher der Schaden schon nicht mehr rückgängig zu machen ist, der der Natur angetan wurde, aber noch haben wir Zeit, uns aus unserem Schweigen zu erheben und die Plünderung zu stoppen. Um das gemeinschaftliche Leben zu feiern, um das Morgen wieder zu erbauen“.
So erklärten uns unsere Kollegen Alfredo Mires und José Isabel Ayay im
Vorwort unseres neu erschienenen Buches: All’pata paguikun – Geschenk an die Erde.
“Das All’pata paguikun ist eine
sehr alte Zeremonie, um unsere Liebe zur Erde darzubringen, zu unseren heiligen
Bergen und unseren Verstorbenen”.
Dies ist die grundlegende Erklärung der Zeremonie, sowie, dass die Gebete
sowohl in Spanisch als auch in Quechua gesprochen werden.
Bald werden wir das Tinku (Treffen) für die Veröffentlichung dieses Buches
ankündigen.
Geliebtes (Kleidungs-) Stück
Bereits vor einiger Zeit kam Frau
Gladys Mena mit einer Gruppe Freundinnen ins Haus der Landbibliotheken, um
ihren kleinen “Co-Libris” (die Kinder, die beim Lese-Projekt Co-Libris
teilnehmen) beim Lesen zu lauschen; dort erfuhren sie von der Arbeit unserer
BibliothekarInnen und fragten uns schließlich, ob sie ihre Kleidung und ihre Zuneigung
mit uns wie mit einer Familie teilen dürfen.
In vielen unserer Gemeinden, wie allgemein
bekannt (und obwohl trotz der sichtbaren Armut in den Wirtschaftsstatistiken
von Wachstum gesprochen wird), belastet nichts mehr als der Mangel an
Solidarität, an Medizin oder eines Mantels. Unsere Ältesten auf dem Land lehren
uns immer, zu geben ohne die Bitte, etwas dafür zurück zu bekommen und sagen uns
auch, dass das, was man gibt, vervielfacht zurückkommt; wir wachsen auf,
erfreuen uns am Wissen unserer Großeltern und es ist so, dass immer noch – trotz
der ökonomischen Armut - der Wille überwiegt, die Fähigkeit, den Mitmenschen zu
begleiten. Und unsere BibliothekarInnen beziehen die ganze Familie mit ein, um
die Leser zu betreuen, ohne die Mühe zu scheuen, ohne Öffnungszeiten beachten
und überhaupt eine Vergütung zu erwarten. Auch diese Mütter begleiten mit ihrer
Großzügigkeit diesen Einsatz. Ihnen gilt unsere Anerkennung.
Habt ihr schon einmal daran gedacht, dass, wenn es das "Wir" nicht gäbe, es niemanden gäbe?
Die Enzyklopädie Campesina, ein gemeinsames Lernen
Die
Kinder und das ganze Team der alternativen Campesina-Schule in Pomabamba gehen
mit Vorfreude an die Herausforderung heran, am Projekt der Enzyklopädie des
Netzes der Landbibliotheken teilzunehmen. Wir haben die Einladung von Alfredo
Mires zur Bewahrung und Sammlung von Information angenommen. Für die
alternative Campesina-Schule ist dieses Experiment ein gemeinsames Lernen, das
uns anregt, als Gemeinschaft zu leben; unser kulturelles Erbe zu wahren , das
uns die gemeinsame Geschichte hinterließ; Raum für Dialoge innerhalb der
Familie zu fördern und das wichtigste: uns als Teil einer Geschichte zu
verstehen, die sich mit der Zeit bildet.
Unsere
Dankbarkeit für das Netz der Landbibliotheken und die Enzyklopädie, für ihre
Anstrengungen, uns zu helfen, auf neue Art und Weise das gemeinsame Lernen zu
nutzen.
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