14. November 2014

Lesen mit Glück

 

Diesen 8. und 9. November verwirklichten wir das erste regionale Lesefestival Co-Libris, mit Delegationen von Lehrern, Studenten und Eltern aus Bambamarca, Cajamarca, Cajabamba, Chota, Contumazá, Huamachuco, San Luis de Lucma und Tembladera, außerdem Referenten aus Cajamarca, Kolumbien, Spanien und Lima.
Eine Idee, die durch die Notwenigkeit entstand, uns im Lesen für andere auszubilden, breitete sich mit Kraft unter begeisterten Lehrern und bestrebten Schülern aus, wissend, dass das Lesen ein wertvolles Werkzeug auf dem Weg der Entkolonialisierung ist.
Unser großer Saal im Sitz des Netzes war voll mit Schriften und Stimmen, belebt durch die Fügungen und diesen verheißungsvollen Weg.
Wir wissen, dass viel Zeit mit Hingabe und Vorbereitung verbracht wurde, damit alles gut verläuft, vom Organisationskomitee wie auch von den Delegationen, die nach Cajamarca anreisten – einige von ihnen von weit her.
Wir stehen vor dieser Quelle, staunend darüber, wie sie weitersprudelt und sich vervielfacht.
 
 

6. November 2014

Workshop in Chota

Eingeladen von der Hochschule für Pädagogik “Unserer lieben Frau aus Chota” gab unser Kollege Alfredo Mires - in seinen ständigen Reisen rund um Cajamarca - einen Workshop über die Erhaltung der mündlichen Überlieferung für Dozenten und Studenten dieser renommierten Hochschule.
Die Koordinierung übernahm Prof. José Gálvez mit Studenten. Und obwohl der Workshop zu Beginn zunächst nur für Studenten aus dem Bereich der Grundschule ausgeschrieben war, wurden auch zahlreiche Studenten, spezialisiert auf Kommunikation, aufgenommen.
Alfredo berichtete uns von der Begeisterung und Hingabe der Teilnehmer, sowie deren Gemeinschaftssinn, ihr Professionalismus und die Entschlossenheit, die alle während des Workshops zeigten.
In dem erbärmlichen Zustand, in dem sich die Bildung im Land befindet und in einer Situation des ständigen Verfalls unserer eigenen Kultur, belebt es, von diesen zukünftigen Lehrern und ihrem Bemühen zu hören, von diesen Versprechen.

Zeit für sie

 

Das Leben mit Kindern ist immer eine Herausforderung. Sie möchten all unsere Aufmerksamkeit, all unsere Zeit. Noch herausfordernder wird die Situation, wenn eines unserer Kinder eine Behinderung hat. Nicht nur die Stunden der Pflege werden vervielfacht, sondern auch die Intensität.
In vielen Familien fällt der Hauptteil dieser Verantwortung auf die Mütter zurück. Deshalb bemerken wir immer wieder, wenn wir Familien mit einem Kind mit Behinderung besuchen, die Kraft der Mütter, ihre Anspannung, ihre Last, manchmal sogar ihre Verzweiflung.
Aus diesem Grund hatte das Gemeindeprogramm ein Treffen für Mütter organisiert, am 25. und 26. Oktober in den Örtlichkeiten der Landbibliotheken in Cajamarca. Wir wollten die Mütter an einen Platz einladen, der nicht ihrem gewohnten Umfeld entsprach und die Möglichkeit haben, mit ihnen zu sprechen, einen Moment des Austausches, des Nachdenkens, der Entspannung anzubieten.
Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie sich von ihren Kindern getrennt hatten. Zu Beginn bemerkten wir ihre Sorgen für ihre Lieben, die sie zu Hause gelasssen hatten und dass es umso schwieriger für sie war, sich auf die Dynamik dieses Treffens einzulassen. Aber Stück für Stück öffneten sie sich und ihre Teilnahme war wirklich außergewöhnlich.
Dabei half die Anwesenheit von Liz Cisneros und Armando López viel, die gekommen waren, um uns bei diesem Treffen zu begleiten. Aber vor allem half die Wahrhaftigkeit unserer Mütter, ihre Schlichtheit, ihr Urteilsvermögen und ihre Innigkeit, mitzuteilen und zu lernen, von sich selbst etwas zu geben und zusammen zu wachsen, uns zu begleiten.
 

Lesen

Die Menschen fürchten originelles Denken mehr als alles in der Welt, mehr als den Ruin, mehr als den eigenen Tod.
Bertrand Russell

Zuneigung, die heilt

Vor einigen Jahren durchlief das Gemeindeprogramm eine Evaluation durch eine externe Beratungsfirma.
Viele Dinge wurden uns gesagt, beispielsweise: uns fehle dieses Dokument, uns fehle ein bestimmes Verfahren, wir könnten die Aktion “x” nicht durchtragen und wir bräuchten die Formate “xx”, um unsere Arbeit zu verbessern.
Wir hörten aufmerksam zu, denn wir sind immer gewillt, dazu zu lernen und unsere Tätigkeiten mit den Kindern mit Behinderung zu verbessern. Deshalb begleiten wir unsere Koordinatoren, fordern von ihnen, ihre Arbeit koninuierlich zu planen, zu beobachten, zu evaluieren und zu dokumentieren.
Aber viele werden dem überdrüssig. Sie sind Campesinos und arbeiten hart auf ihren Höfen. An den Abenden oder in anderen freien Momenten wenden sie sich als Freiwillige der Begleitung und der Sorge der Kinder mit Behinderung zu.
Wenn wir unsere Koordinatoren und die Kinder, die sie begleiten, auf dem Land besuchen, begegnet uns immer ein Übermaß an Innigkeit, Freude und Zärtlichkeit, das zwischen ihnen besteht. Wir stehen mit Erstaunen vor dem, was sie mit dieser Liebe erreicht haben und erreichen. Und das Ergebnis der Evaluation und der Dokumentation ist winzig, kaum zu bemerken.
Und dies hat kein bestimmtes Format.
Dies passierte uns auch bei unserem letzten Besuch in Santa Ana, wo wir uns mit unserem Koordinator Marciano und den Juanitos versammelten.
Danke, Marciano, dass wir das erleben durften.

Familien mit Rechten

 

Ende August und nach einigen Jahren besuchte die Verantwortliche des Gemeindeprogramms den Hof La Unión in Chota.
Dort waren alle Kinder mit Behinderung und ihre Eltern in dem Haus unserer Koordinatorin dieses Sektors, Dina Vitón, versammelt. Ziel war es, aus der Nähe die Arbeit zu betrachten, die mit den Kindern aus dem Programm an diesem Ort getan wird, aber auch, um unsere umfassende Politik des Kinderschutzes, die wir seit 2012 entwickeln, zu erläutern.
Dafür boten wir einen Workshop der Sensibilisierung über diese Thematik an und wir waren überrascht über den Lebensmut und die Bereitschaft der Teilnehmer, ihre Erfahrungen mitzuteilen und mehr über den Inhalt dieses Angebots zu lernen.
Wir redeten viel über die sogenannten “Kinder mit Einschränkungen” und ihre schwierige Situation innerhalb unserer Gesellschaft, über ihre Rolle auf dem Land und die Schwierigkeiten, die entstehen. Wir stellten fest, dass diese Problematik nicht nur Kinder mit Behinderung betrifft, sondern sich auf die ganze Familie und das weitere Umfeld ausweitet.
Wenn wir also am Thema der Rechte arbeiten, ist es unumgänglich, mit dem Kontext und der Situation zu beginnen. Und wenn wir nur über die Rechte der Kinder sprechen, irren wir uns; vor allem auf dem Land sollten wir über die Rechte der Familie sprechen , d.h. von den Rechten der ganzen Erde.
 

Lesen ist nicht konsumieren

Im Oktober sendete uns unsere Freundin Sara Ulloa einen Text von einem ihrer Freunde zu, Carlos Yushimito, von der Universität San Marcos, der diesen auf facebook mitgeteilt hatte:
Mit unserer Dankbarkeit teilen wir ihn hier ebenfalls mit:

“Hinweise über Bücher und Wolken”, ein Dokumentarfilm von Pier Paolo Giarolo über das Netz der Landbibliotheken aus Cajamarca, Peru, eine wunderbare und bewundernswerte Inituative und, wie es in unserem Land mit wunderbaren und bewundernswerten Dingen üblich ist, noch nicht ausreichend bekannt.
Die Debatten von heute bezüglich des Umlaufes des Buches konzentrieren sich allzu sehr auf seine Stofflichkeit und den Konsum. Lassen Sie uns einen Moment zurückdenken an das Buch als Archiv und Erinnerung. Ansonsten werden wir den Fehler begehen, Buchhandlungen und Bücher als bloße Götzen und Umsetzungen eitler Wünsche zu sehen und nicht das, was sie in Wirklichkeit sind: Gemeinschaftsbindungen, soziale Strukturen und angeregte Gespräche.
Bibliothek, ein wunderbares Wort, bezeichnet außerdem: den Inhalt und den Kontinent, zugleich die Summe menschlichen Wissens und der Ort, der uns Austausch ermöglicht.

15. Oktober 2014

Preis für Lola

Unsere liebe Kollegin Lola Paredes, hoch geschätzt für ihren Mut und ihren großen Sinn für Humor, lässt uns wieder einmal stolz darauf sein, sie als Kollegin in unserer Familie zu haben.
Vor einigen Tagen nahm sie mit ihrer Geschichte “Die Neigung des Brunnens” an einem Geschichten-Wettbewerb “Erfinde deine beste Geschichte” für Lehrer teil, organisiert von einem privaten Institut, und gewann den wohlverdienten Preis, der ihr unter Applaus und Anerkennung ihrer Schüler und Arbeitskollegen überreicht wurde.
Lola widmete uns gerührt einige Worte:
Danke an meine Schüler, Danke an die Landbiblitheken, die mir in meiner Bildung geholfen haben. Diese Geschichte schrieb ich ich in den Anfängen meiner Karriere aus der Erfahrung als Lehrerin heraus und bin durch reale Situationen inspiriert worden; und der Geschichte hat es gut getan, zu schlafen, sie schlief mehr oder weniger 24 Jahre, und als sie erwachte, machte ich ein paar Veränderungen und das ist das Ergebnis. Ich ermutige Sie, zu schreiben!
All unsere Annerkennung und unsere aufrichtigsten Glückwünsche.

Kunst und Lesen, eine Verbindung, die belebt

Am Freitag, 10.10. und Samstag, 11.10.2014 stellte Alfredo Mires mit der alternativen Campesina-Schule in Pomabamba eine schöne Umgebung zur Verfügung, um das Lesen, Schreiben und Nachdenken um die fantastische Welt der Bücher anzuregen.
Der Workshop wurde außerdem von Laura López aus Kolumbien unterstützt, eine Freundin des Netzes der Landbibliotheken.
Hier einige Überlegungen der Teilnehmer:

 “Das Lesen sollte eine familiäre Erfahrung sein mit einer sehr positiven Wirkung auf die Bildung...die Eltern und LehrerInnen lesen...die Kinder lernen”.
“Es gibt keine eine Wahrheit, sondern mehrere, und durch das Lesen können wir verstehen, was zu tun ist”.
“Die Kunst und das Lesen regt uns an, mehr und besser zu lernen”.

Das Lesen sei ein Lieblingsverb,
ein Buch die bevorzugte Gesellschaft
und Schreiben eine Leidenschaft, um zu lächeln.

”Die alte Schlange”

Als Lehrerin arbeite ich dieses Jahr mit Kindern der ersten Klasse, welche 6 bis 7 Jahre alt sind.
Was mir an meinen Kindern am meisten gefällt ist, dass ihnen das Lesen Spaß macht. Deshalb haben wir in unserem Klassenzimmer einen Ort eingerichtet, um jeden Tag einige Momente dem Lesen zu widmen. Es ist nicht immer um die gleiche Zeit, obwohl wir es bevorzugen, wenn die Sonnenstrahlen bereits „auf der anderen Seite“ sind, weil uns sonst die Hitze sehr plagt.
Da es ein kleiner und - durch sein Bodenmaterial- kühler Ort ist, haben wir einige Teppiche platziert, die es uns ermöglichen, bequemer zu sitzen; und um unseren kleinen Leseraum nicht schmutzig zu machen, betreten wir ihn nur strümpfig und vermeiden, dass der Straßenstaub diesen Platz bedeckt.
Jedes Kind wählt aus, was es lesen möchte und wir haben alle Arten von Büchern: kleine Werke für Kinder, Erzählungen, Bücher über Kuriositäten, über Dinosaurier, Gedichte für Kinder, Zeitschriften, Wörterbücher, Geographieatlasse und alles, was ihr Interesse und ihre Neugier am Lesen wecken kann. Aber wir haben auch Bücher, die von cajamarquinischen Campesinos geschrieben sind, Bücher von den Landbibliotheken, die – auf unterhaltsame Weise- von unseren Traditionen, Mythen und eigenen Legenden dieser Gemeinden erzählen.
Vielen meiner Schüler gefallen diese Geschichten, wie beispielsweise Sebastián, der die Schuhe auszog, sich in eine Ecke setzte, eine Geschichte über die alte Schlange las und danach zu mir kam und mir voller Aufregung und Zufriedenheit erzählte: “In diesem Buch gibt es eine Erzählung, die von einer Schlange handelt, Lehrerin, das musst du auch lesen!”
Lola Paredes